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Hilfe zur Selbsthilfe – Was hab ich?

Medizinische Befunde sind für Patienten oft unverständlich. Hier will das Online-Portal washabich.de helfen.

Hilfe zur Selbsthilfe – Was hab ich?

Darum geht es:

Medizinische Befunde sind für Patienten oft unverständlich. Was bitte heißt: „Wir fanden nach einer medianen Sternotomie ein hochgradig vergrößertes Gesamtherz, wobei linksventrikulär eine Hypertrophie und eine Dilatation auffielen“. Vermutlich hat der Arzt den Befund während des Termins erklärt, für die meisten Menschen bleiben danach dennoch viele Fragen offen.

Das will das Online-Portal washabich.de ändern. Die Gründer, zwei Mediziner (Anja Kersten und Johannes Bittner) und ein Informatiker (Ansgar Joietz) haben deshalb ein virtuelles Wartezimmer mit Übersetzungsdienst eingerichtet. Ihr Ziel: Das Fachchinesisch der Ärzte so zu übersetzen, dass auch der medizinische Laie es versteht.

 

Das Interessante für Frauen mit Brustkrebs:

Auch Brustkrebs-Befunde sind mitunter schwer zu verstehen. Was ein invasiv-duktales Mammakarzinom ist, weiß der medizinische Laie nicht – ebenso wenig, dass der Begriff Grading für die Beurteilung von Krebszellen im Vergleich mit gesunden Zellen steht. Den Befund zu verstehen, ist jedoch wichtig: Denn nur, wenn ein Patient die Diagnose einordnen kann, kann er die Behandlung finden, die zu ihm passt und dafür Verantwortung übernehmen.

Auf die Idee mit der Website kamen die drei Gründer übrigens Anfang 2011. Damals waren sie noch Studenten und Anja Kersten wurde von einer Freundin um Rat gefragt, deren Mutter einige Jahre zuvor an Brustkrebs erkrankt war. Bei einem Kontrollbesuch ergab sich der Verdacht auf Knochenmetastasen. Was das genau bedeutete, verstand die Mutter jedoch nicht – ebenso wenig wie den Arztbrief, der ihr nach dem Termin in die Hand gedrückt wurde. Kersten übersetzte. Wenig später entschieden ihr Kommilitone Bittner und Joietz, den Übersetzungsdienst einzurichten.

Wichtig: Washabich.de stellt keine Diagnosen. Den Arztbesuch kann die Plattform also nicht ersetzen. Und auch, wenn der Übersetzungsdienst Ihnen helfen kann, eine Diagnose besser zu verstehen, sollten Sie sich nicht scheuen, Ihren Arzt einfach direkt zu fragen, wenn er Begriffe verwendet, mit denen Sie nichts anfangen können.

Hilfe zur Selbsthilfe – Was hab ich?

Die Fakten:

  • washabich.de ging am 15. Januar 2011 online.
  • Zwölf Minuten nach dem Launch der Website wurde der erste Befund zur Übersetzung hochgeladen, nach einem Monat waren es bereits 500 Befunde. Mittlerweile zählt washabich.de insgesamt mehr als 34.000 Übersetzungen.
  • Übersetzt wird ehrenamtlich von Medizinstudenten ab dem achten Semester, von praktizierenden Ärzten sowie Ärzten im Ruhestand.
  • Das Angebot ist kostenlos und anonym – Spenden werden jedoch nicht abgelehnt. Gefördert wird das Projekt unter anderem von der AOK Gesundheitskasse und der Bertelsmann Stiftung.
  • Im Idealfall erhalten Patienten die Übersetzung ihrer Diagnose nach drei bis fünf Tagen. Ist die Diagnose sehr umfangreich oder sind gerade sehr viele Arztbriefe zu übersetzten, kann die Übersetzung auch mal ein paar Wochen dauern.
  • Im Jahr 2016 wurde washabich.de unter anderem mit dem Querdenker-Preis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) ausgezeichnet.


Das Besondere:

  • Der Leitfaden mit den praktischen Tipps für den nächsten Arztbesuch.
  • Die Win-win-Situation: Nicht nur den Patienten wird geholfen, sondern auch den (angehenden) Medizinern. Durch das Übersetzen lernen sie, auf die Patienten einzugehen und ihnen eine Diagnose so zu erklären, dass sie sie verstehen. Beides fördert die Kommunikation auf Augenhöhe.


13. März 2018

Fotos: David Pinzer

Iris Hilgemeier

Von Iris Hilgemeier
E-Mail-Adresse: iris.hilgemeier@amoena.com