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„Jetzt gibt mir die Brustprothese Sicherheit“

„Die Brustprothese gibt mir Sicherheit“

Claudia Bischop* aus Berlin hat Brustkrebs. Um den Tumor zu entfernen, musste ihre linke Brust amputiert werden. Zurzeit durchläuft die 46-Jährige den ersten Zyklus der Chemotherapie und trägt eine Brustprothese. Im Interview erzählt sie, wieso sie kaum vorbereitet in die OP musste und wie es ihr mit der Silikonepithese geht.

 

Redaktion: Wie ging es Ihnen nach der Mastektomie, also der Brustamputation?

Claudia: Ich war total down – nicht nur körperlich, sondern auch psychisch. Als ich noch leicht benebelt aus der Narkose aufwachte, drückte der Kompressionsverband, die Lymphdrainage tat weh und die Brust war weg. Dann kam meine Schwiegermutter ins Krankenzimmer und wollte mit mir in der Cafeteria einen Kaffee trinken gehen. Sie meinte es gut, aber ich wollte einfach nur die Decke über meinen Kopf ziehen.

Sie sagten Nein?

Anfangs. Dann kam Margret Werner, eine Mitarbeiterin aus dem Sanitätsfachgeschäft eine Etage tiefer, ins Zimmer. Sie strahlte mich an und sagte, dass sie für meine Erstversorgung zuständig sei. Die Softprothese hatte sie schon dabei. Bis dahin dachte ich, man würde mich so entlassen, mit einem Nichts, wo meine Brust mal war. Mit der Prothese traute ich mich dann runter in die Cafeteria.

Hat Ihnen vor der Abnahme der Brust niemand gesagt, dass Sie eine Erstversorgung erhalten werden?

Nein. Nach der Diagnose ging alles superschnell. Ziel der Behandlung war es, den Tumor zu entfernen. Darüber, wie es danach weitergeht, hat tatsächlich niemand richtig mit mir besprochen. Auf die psychologische Betreuung, die ich vor der Operation beantragt habe, warte ich bis heute.


Die richtige Brustprothese zu finden ist gerade anfangs kein Shopping-Erlebnis


Wie fühlte es sich an, als Sie dann Ihre erste Silikonepithese anprobierten?

Das war eine Woche nach der Operation. Es war ungewohnt, wie ein aufgesetzter Fremdkörper. Mit der Zeit habe ich mich jedoch an die Brustprothese gewöhnt – jetzt gibt sie mir ein Gefühl der Sicherheit.

Was genau meinen Sie damit?

Ohne meine linke Brust fühle ich mich nicht mehr ganz. Ich fühle mich unvollständig, irgendwie ausgeliefert. Bis heute fällt es mir schwer, mich nackt im Spiegel anzuschauen. Die Brustprothese hilft mir, mich als Frau wieder komplett zu fühlen. Und sie verhindert, dass Fremde gleich sehen, was mit mir los ist – nämlich, dass ich krank war und jetzt nur noch eine Brust habe.

In den meisten Sanitätsfachgeschäften hängen die Prothesen-BHs irgendwo zwischen Rollator und Rheuma-Kissen. Wie war das bei Ihnen?

Ich hatte Glück, in keinem typischen Sanitätshaus gelandet zu sein. Wobei mir in diesem Moment wohl einfach nur wichtig war, mit Frau Werner eine so kompetente und menschliche Beraterin zu haben. Im Ankleideraum war genug Platz, der Spiegel war abgedeckt – ich fühlte mich wohl. Beim Finden der richtigen Epithese und des passenden Prothesen-BHs geht es gerade beim ersten Mal nicht so sehr ums Shopping-Erlebnis. Ins Geld geht das Ganze allerdings trotzdem.

Die Kosten für die Erstversorgung sowie eine Brustprothese, einen Prothesen-Badeanzug und zwei Spezial-BHs, werden doch von den Krankenkassen erstattet oder bezuschusst?

Dazu zahlen musste ich trotzdem. Auch das Reinigungsmittel für die Epithesen wurde mir nicht erstattet.


Bei der Operation wurde das Dekolleté erhalten


Wie war es, das erste Mal mit der Brustprothese shoppen zu gehen?

Eigentlich so wie immer. Durch die Epithese sieht ja niemand, dass mir eine Brust fehlt. Bei den T-Shirts habe ich allerdings darauf geachtet, dass sie wegen der Narbe unter den Achseln und am Ausschnitt nicht zu stark ausgeschnitten sind. Bei der Operation wurde zwar mein Dekolleté erhalten, aber sicher ist sicher.

Sie erhalten momentan noch eine Chemotherapie, danach folgt die Bestrahlung. Viele Frauen entscheiden sich nach dem Abschluss der Behandlung für den Wiederaufbau der Brust. Wie ist es bei Ihnen?

Momentan kann ich es mir auf jeden Fall nicht vorstellen, für den Rest meines Lebens eine Silikonprothese zu tragen. Allerdings habe ich auch keine Lust, mich nach der Therapie sofort wieder unters Messer zu legen. Ich werde das Schritt für Schritt machen. Erst einmal will ich die Behandlung abschließen – danach sehe ich weiter.

*Name von der Redaktion geändert

 

21. Juli 2017

Foto: Lawren Lu / Stocksy

Stella Hombach
Von Stella Hombach
E-Mail-Adresse: stella.hombach@amoena.com


 


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