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Die Online-Plattform „Mum hat Brustkrebs“ will Jugendlichen helfen, deren Mütter an Brustkrebs erkrankt sind.

Mama hat Brustkrebs

Kinder und Jugendliche, deren Mütter an Brustkrebs erkranken, fühlen sich mit der Situation oft überfordert. Ihnen soll die Online-Plattform „Mum hat Brustkrebs“ helfen.


Vor zweieinhalb Jahren diagnostizierten die Ärzte bei Leas Mutter Brustkrebs. Drei Mal wurde sie deshalb operiert. Danach folgten Chemotherapie und Bestrahlung. Lea hat in dieser Zeit viel geweint – aus Angst, aber auch, weil sie sich einsam fühlte und vieles, was mit ihrer Mutter passierte, nicht verstand. Zum Zeitpunkt der Diagnose war Lea gerade einmal zehn Jahre alt.

Rund 60.000 Frauen erkranken jährlich in Deutschland an Brustkrebs. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat nach Angaben des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums Kinder unter 18 Jahren. Viele von ihnen sind, wie Lea, mit der Einordnung dieser Situation überfordert und nicht allen Eltern gelingt es, sie gleich offen in die Bewältigung der Krankheit mit einzubeziehen. Um den betroffenen Kindern zu helfen, die Krankheit zu verstehen, hat die gemeinnützige Patientinnen-Initiative Mamazone das Online-Projekt „Mum hat Brustkrebs“ gestartet. Die Website soll ältere Kinder und Jugendliche mit Informationen versorgen und ihnen zeigen, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine sind.

 

Viele Kinder entwickeln Ängste

 

Wie wichtig ein offener Umgang mit der Krankheit ist, bestätigt auch der 2015 erschienene Leitfaden „Wie man Kindern hilft und mit der Behandlung umgeht, wenn ein Familienmitglied Krebs hat“ (orig. „Helping children when a family member has cancer: dealing with treatment“) der American Cancer Society (ACS). Kinder merken, wenn in ihrer Familie etwas nicht stimmt, so die Autoren, und oft seien ihre Fantasien schlimmer als die Realität.

Erhalten Kinder krebskranker Eltern in dieser Situation nicht genug Unterstützung, hat dies Folgen. Eine EU-Studie unter Federführung des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) aus dem Jahr 2005 zeigt: Gut die Hälfte der Kinder zeigen ohne Intervention deutliche Verhaltensauffälligkeiten oder ziehen sich von Freunden und Familien zurück. Gut jedes dritte Kind entwickelt relevante Angstsymptome, depressives Verhalten und psychosomatische Beschwerden. Auch in der Schule kommen viele nicht mehr hinterher.

„Verschweigen bringt niemandem etwas“, ist auch Professor Franz Resch überzeugt. Resch ist ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Heidelberg und hat Mamazone beim Aufbau der Online-Plattform wissenschaftlich beraten. „Wenn ein Elternteil krank ist und als Bezugsperson plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht“, erklärt der Facharzt, „entwickeln Kinder oft vielschichtige Ängste.“ Deshalb sei es wichtig, sachlich aufzuklären und deutlich zu machen, dass Krebs eine Krankheit ist, die man behandeln kann.

 

Mama hat Brustkrebs

Es hilft, die eigene Geschichte mit anderen zu teilen


Ein anderes Problem ist, dass Kinder und Jugendliche sich häufig nicht trauen, ihre Sorgen offen anzusprechen, weil sie ihre Eltern nicht überfordern oder zusätzlich emotional belasten wollen. Auch Lea hätte sich in der Zeit, als ihre Mutter im Krankenhaus war, oft mehr Rat gewünscht. Auch hier soll „Mum hat Brustkrebs“ helfen. „Die Website“, so Resch, „bietet den Kinder einen neutralen Ort, an dem sie ihre Sorgen und Ängste loswerden können.“

Auf dem Online-Portal wird in leichter Sprache erklärt, was hinter der Krebserkrankung steckt, welche Behandlungsmethoden es gibt und wie gut die Heilungschancen sind. Außerdem können die jungen User Fragen stellen und diese von Experten beantworten lassen. Herzstück der Website sind persönliche Erfahrungsberichte. Sie zeigen den betroffenen Kindern, dass es noch andere Menschen gibt, die Ähnliches durchmachen.

Auch Lea hat sich dazu entschlossen, ihre Erfahrungen öffentlich zu teilen und ihre Geschichte auf der Plattform zu veröffentlichen. Mittlerweile ist Lea 13 Jahre alt und ihre Mutter hat den Krebs überwunden. Heute hat Lea sogar das Gefühl, dass ihre Familie durch den Krebs stärker zusammengewachsen ist.

 

31. Juli 2017

Zeichnungen: „Mum hat Brustkrebs“ / mamazone - Frauen- und Forschung gegen Brustkrebs e.V