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Biopsie: Unser Gewebe unter der Lupe

Bei Verdacht auf Brustkrebs wird oft eine Biopsie durchgeführt. Eine Übersicht der verschiedenen Verfahren.

Biopsie: Unser Gewebe unter der Lupe

Um zu klären, ob ein Knötchen in der Brust gut- oder bösartig ist, gibt es die Biopsie – die Entnahme und Analyse von auffällig verändertem Gewebe. Eine Übersicht der verschiedenen Verfahren zur Gewebeentnahme.

Gewebeveränderungen können gut- oder bösartig sein. Für Klarheit sorgt in der Regel ein gering-invasiver Eingriff. Dabei entnimmt ein Facharzt eine Gewebeprobe aus dem verdächtigen Bereich der Brust und lässt sie im Labor mikroskopisch untersuchen. In der Fachsprache nennt man dieses Verfahren Biopsie (von altgriechisch βίος, bíos, „Leben“ und ὄψις, ópsis, „Sehen“). In rund 70 bis 75 Prozent der Fälle sind die gefundenen Veränderungen des Brustgewebes gutartig.

Eine Biopsie wird in der Regel ambulant und bei örtlicher Betäubung oder in einer Kurznarkose durchgeführt. Der kleine Eingriff dauert in den meisten Fällen nicht mehr als 10 bis 20 Minuten und birgt kaum Risiken.

Zur Gewebeentnahme gibt es unterschiedliche Techniken. Welches Biopsieverfahren das richtige ist, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Die gängigsten Methoden stellen wir Ihnen hier vor.

„Zytologie“ versus „Histologie“

Von Zytologie sprechen Ärzte, wenn sie nur einzelne Zellen beziehungsweise kleine Zellverbände begutachten. Histologie beschreibt das Untersuchen einer Gewebeprobe.

Feinnadelbiopsie (Mammapunktion)

Unter lokaler Betäubung wird eine 0,5 Millimeter dünne Hohlnadel in die Brust eingeführt. Mit ihr werden verdächtige Zellen unter Unterdruck angesaugt und anschließend zytologisch untersucht. Damit der Arzt am Ende genug Zellen für die Diagnose hat, muss der Arzt die Nadel meist mehrmals einführen. Je nach dem wie tief das zu entnehmende Gewebe sitzt, erfolgt die Punktion entweder manuell oder wird mit Hilfe bildgebender Verfahren kontrolliert.

Wann?
  • Die Feinnadelbiopsie eignet sich besonders zur Untersuchung von nicht sehr festem Gewebe wie Schilddrüse, Lunge oder Leber. Bei Verdacht auf Brustkrebs kommt diese Methode eher selten zum Einsatz.

Vorteil

  • Es werden nur Zellen beziehungsweise kleine Zellverbände entnommen, keine größeren Gewebeareale.
  • Bleiben Narben zurück, sind diese meist sehr klein.
  • Die Punktion selbst ist meist nicht sehr schmerzhaft – vergleichbar mit einer Blutabnahme.
  • Das Ergebnis liegt oft noch am selben Tag vor.

Nachteil

  • Zur Zellentnahme sind in der Regel mehrere Einstiche nötig.
  • Weil durch die feine Nadel nur einzelne Zellen entnommen werden, also wenig Gewebematerial zur Verfügung steht, ist die Diagnose oft weniger eindeutig.

 

Stanzbiopsie

Die Stanzbiopsie funktioniert ähnlich wie die Feinnadelbiopsie. Der Unterschied: Die Nadel ist etwas dicker (1,6 Millimeter) und wird mit größerer Geschwindigkeit in die Haut geführt. Eine Art „Greifer“ am Ende der Nadel „stanzt“ dann an unterschiedlichen Stellen 3 bis 5 zylinderförmige Gewebestücke aus dem verdächtigen Areal. Dadurch, dass die Probenentnahme so schnell geschieht, tut die Gewebeentnahme in der Regel nicht weh. Zur Punktion nutzen Ärzte meist bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Röntgenstrahlen oder die Magnetresonanztomografie (MRT), um die Verletzung benachbarter Organe auszuschließen.

Wann?

Die Stanzbiopsie kommt zum Einsatz, wenn einzelne Zellen für die Diagnose nicht ausreichen. Sie ist heute die Standardmethode zur Abklärung von tastbaren oder im Ultraschall gut sichtbaren Veränderungen im Brustgewebe.

Vorteil

  • Es werden nicht nur einzelne Zellen entnommen, sondern gleich mehrere kleinere Gewebeverbände. Die Diagnose wird dadurch sicherer.
  • Die Untersuchung kann in der Regel ambulant durchgeführt werden.
  • Die Einstichstelle ist bei den meisten Frauen nach einigen Wochen kaum noch zu sehen. Nach der Untersuchung kann es zu Blutergüssen kommen, normalerweise bilden diese sich jedoch innerhalb weniger Tage zurück.
  • Das Wundrisiko ist gering.

Nachteil

  • Auch bei der Stanzbiopsie sind manchmal mehrere Einstiche nötig.
  • Der betroffene Bereich ist für einige Tage druckempfindlich, zu länger anhaltenden Schmerzen kommt es jedoch selten.
  • Die Diagnosesicherheit ist größer als die der Feinnadelbiopsie, aufgrund der geringeren Größe der Gewebeproben aber nicht immer so hoch wie bei der Vakuumbiopsie und der offenen Biopsie.
  • Die Treffsicherheit kann durch das mehrmalige Einführen der Stanzbiopsienadel in die Brust geringer sein als bei der Vakuumbiopsie.


Vakuumbiopsie

Die Vakuumbiopsie ist eine Weiterentwicklung und Verbesserung der herkömmlichen minimalinvasiven Hohlnadelbiopsien (Feinnadel- und Stanzbiopsie). Mit der computergesteuerten, sehr exakten Vakuumbiopsie können größere Gewebeproben entnommen werden als bei einer Stanzbiopsie. Die Haut wird örtlich betäubt, anschließend lenkt das Computer-Programm die Biopsienadel gezielt an die verdächtige Stelle und führt sie ein. Das Gewebe wird dann bei Unterdruck (Vakuum) durch eine seitliche Öffnung in die Nadel gesaugt, abgetrennt – in der etwa drei Millimeter dünnen Hohlnadel befindet sich ein rotierendes Messer – und nach außen transportiert. Auf diese Weise können mehrere zylinderförmige Gewebeproben entnommen werden. Zur Lokalisierung des Einstichs nutzt der Computer das Mammographie-Bild.

Wann?

  • Zur Früherkennung von Brustkrebs und vor allem, wenn bei der Mammografie auffälliger Mikrokalk entdeckt wird. Mikrokalk kann ein Hinweis auf sogenannte duktale Karzinome in situ (DCIS) sein, eine Vorstufe von Krebs. Auf dem normalen Ultraschall sind solche Kalkeinlagerungen meist nicht sichtbar. Zur Diagnostik braucht es daher die Mammografie.
  • Wenn eine Mammografie gezeigt hat, dass verändertes Gewebe von fünf Millimetern Größe oder mehr vorliegt.
  • Sollte die Stanzbiopsie kein sicheres diagnostisches Ergebnis liefern, kann die Vakuumbiopsie zur Klärung beitragen.

Vorteil

  • Es werden noch größere Gewebeverbände entnommen als bei der Stanzbiopsie.
  • Zur Gewebeentnahme reicht oft ein Einstich.
  • Eine Wundnaht ist nicht erforderlich. Da die Nadel etwas dicker ist, als bei der Stanzbiopsie bleibt bei vielen Frauen eine kleine Narbe zurück – in der Regel ist die jedoch sehr klein und fällt kaum auf.
  • Das Computer-Programm kann die verdächtige Gewebeveränderung noch sicherer punktieren.
  • Die Methode ist schonend und vermeidet unnötige Belastungen durch einen operativen Eingriff.
  • Die Diagnosesicherheit ist sehr hoch, da eine größere Menge Gewebe entnommen wird.

Nachteil

  • Nach der Gewebeentnahme kann es zu Blutergüssen, manchmal auch zu Nachblutungen kommen. Das Risiko für eine Wundinfektion ist jedoch gering.
  • Je nachdem, wie viel Gewebe entnommen wird, kann sich das Volumen der Brust in seltenen Fällen verändern

Verschleppung von Tumorzellen

Bei minimalinvasiven Biopsien können Tumorzellen aus dem Tumor heraus ins Gewebe der Brust, in die Lymphbahnen oder in den Blutkreislauf gelangen. Für den Verlauf der Erkrankung hat das in der Regel keine Konsequenzen. Denn wird der Brustkrebs behandelt, kommt es laut Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft weder zur Streuung noch zur Bildung von Metastasen. Auch der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums schreibt hierzu: „Es gibt keine Hinweise darauf, dass verschleppte Tumorzellen für den weiteren Krankheitsverlauf eine Rolle spielen.“ Um jedes auch nur theoretisch denkbare Risiko auszuschließen, legen Ärzte den Einstichkanal bei der Biopsie möglichst so, dass er bei einer später eventuell notwendigen Operation sowieso mit herausgeschnitten wird.

Offene Biopsie (Exzisionsbiopsie)

Die offene Biopsie ist ein operativer Eingriff unter Vollnarkose. Ziel des Eingriffs ist es, das gesamte Areal des verdächtigen Gewebes zu entfernen und anschließend zu untersuchen. Wird nur ein Teil der Gewebeveränderung herausgeschnitten, sprechen Mediziner von „Inzisionsbiopsie“. Das Verfahren ist durch den Einsatz von Stanz- oder Vakuumbiopsien heute nur noch sehr selten notwendig.

Wann?

  • Wenn eine minimalinvasive Biopsie keinen eindeutigen Befund ergibt.

Vorteil

  • Die Methode liefert eindeutige Ergebnisse.

Nachteil

  • Der Eingriff wird in der Regel unter einer kurzen Vollnarkose vorgenommen. Meist ist ein kurzer stationärer Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich – dementsprechend ist die körperliche und psychische Belastung höher als bei minimalinvasiven Verfahren.
  • Es bleibt eine vier bis fünf Zentimeter große Narbe an der Brust zurück.
  • Das innere Brustgewebe kann durch den Einschnitt vernarben. Manche Frauen empfinden dies im Nachhinein als störend (Narbenschmerzen). Die „Gewebeverhärtung“ kann auch die Interpretation späterer Mammografien erschweren.
  • Wird ein großes Stück Gewebe entnommen oder ist die Brust sehr klein, kann sich ihr Volumen verändern.


Sind die Gewebeveränderungen gutartig, braucht es keine weitere Behandlung. Bestätigt sich der Verdacht auf Brustkrebs, müssen Sie in der Regel nicht sofort handeln. Lassen Sie sich am besten ein paar Tage Zeit und informieren Sie sich. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und holen Sie gegebenenfalls eine Zweitmeinung ein.

Direkte Beratung bietet etwa der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums. Dort können Sie täglich zwischen 8 und 20 Uhr anrufen. Telefonnummer: 08 00 4 20 30 40.


Hinweis zu medizinischen Inhalten

Art, Verlauf und Therapie einer Brustkrebserkrankung sind von Frau zu Frau unterschiedlich. Wir bemühen uns, Sie umfassend, sachlich korrekt und verständlich über medizinische Hintergründe zu informieren. Eine Beratung oder Behandlung durch einen Arzt können diese Informationen jedoch nicht ersetzen. Die Informationen können Sie jedoch bei der Vor- oder Nachbereitung eines Arztbesuches unterstützen.


8. Mai 2018

Foto: Victor Torres/Stocksy

Stella Hombach

Von Stella Hombach
E-Mail-Adresse: stella.hombach@amoena.com