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„Mama, heißt das, du hast Krebse in der Brust?“

„Mama, heißt das, du hast Krebse in der Brust?“

Das Bilderbuch „Manchmal ist Mama müde“ richtet sich an Kinder zwischen zwei und acht Jahren, deren Mutter an Brustkrebs erkrankt ist. Einfühlsam gehen Anne-Christine Loschnigg-Barman und Judith Alder auf die Ängste und Sorgen ihrer kleinen Leser ein und hilft Eltern, die Krankheit in Worte zu fassen.


Lulu, ein kleines Mädchen mit blonden Zöpfen und Ringelsocken an den Füßen, backt gerne Kuchen. Am liebsten tut sie das mit ihrer Mama. Zusammen sind die beiden die besten Kuchenbäckerinnen weit und breit. Leider ist Lulus Mama manchmal sehr müde – und dann will sie weder backen noch spielen, sondern einfach nur schlafen.

Lulus Mama hat Brustkrebs. Doch wie erklärt man das einer Vierjährigen? Wie erklärt eine Mutter ihrem Kind, was ein Tumor ist, wie eine Chemotherapie funktioniert und warum ihr plötzlich alle Haare ausfallen? Um Eltern bei dieser schwierigen Aufgabe zu helfen, hat die Kinderbuchautorin Anne-Christine Loschnigg-Barman zusammen mit der Schweizer Psychologin Judith Alder ein Buch geschrieben. „Manchmal ist Mama müde“ erklärt Kindern, was der Krebs mit ihrer Mutter macht und hilft Erwachsenen, die richtigen Worte zu finden.

 

Chemotherapie ist eine starke Medizin

 

„Mama, heißt das, du hast Krebse in der Brust?“Mit ihren alltagsnahen Geschichten macht Loschnigg-Barman die Krebserkrankung für ihre kleinen Leser verständlich. Als Lulus Mama die Infusion mit der Chemotherapie bekommt, sitzt das Mädchen ganz ruhig auf ihrem Schoß. Zusammen schauen sie zu, wie die orangefarbene Flüssigkeit durch einen dünnen Schlauch läuft und dann im Körper der Mutter verschwindet.

Mit keinem Wort erwähnen die Autorinnen, dass es sich bei dem dünnen Schlauch um eine intravenöse Infusion handelt oder dass die Ärzte die speziellen Medikamente, die der Mutter verabreicht werden, Zytostatika nennen. Stattdessen erzählen sie, wozu die Frau die Chemotherapie braucht und was die Behandlung mit ihr macht. Die Chemotherapie, weiß Lulu, ist eine starke Medizin gegen den Krebs. Und ihre Mama gesteht ihr, dass sie die nicht sonderlich mag, weil ihr von den Medikamenten manchmal schlecht wird.

Als ihrer Mutter dann wegen der „starken Medizin“ die Haare ausfallen, gefällt Lulu das überhaupt nicht. Doch anstatt den kahl gewordenen Kopf vor ihrer Tochter zu verstecken, darf Lulu zusammen mit ihrer Mama entscheiden, was diese nun tragen soll: einen Hut, eine Perücke oder ein Tuch. Mit Episoden wie diesen zeigen Loschnigg-Barman und Alder, wie wichtig es ist, offen mit der Krankheit umzugehen und Kinder in die Geschehnisse miteinzubeziehen.

 

Die „Krebs-freie Zone“

 

„Mama, heißt das, du hast Krebse in der Brust?“Die farbenfrohen Illustrationen lockern die Erzählung auf und holen Kinder in ihrem Alltag ab. Das Spielzeug, die Puppen und Stofftiere, die überall herumliegen, nehmen der Erzählung die Schwere und helfen Kindern, sich auf die Geschichte einzulassen.

Denn auch Wut und Trauer haben in „Manchmal ist Mama müde“ ihren Platz. So muss Lulu zwischendurch mal heftig mit dem Fuß aufstampfen und schreien, weil ihre Mama ohne Haare und ohne ihre Brust so anders aussieht.  Und dass sie wütend ist, machen ihr ihre Eltern klar, ist auch vollkommen in Ordnung.

„Mama, heißt das, du hast Krebse in der Brust?“, fragt Lulu einmal, als sie zusammen mit ihrer Mutter auf dem Sofa sitzt. Der Blick durch die Kinderaugen erinnert daran, wie Kinder die Welt um sie herum wahrnehmen und dass sie immer noch Kinder sind, keine kleinen Erwachsenen. So braucht auch Lulu zwischendurch mal eine Auszeit. Da hilft ihre „Krebs-freie Zone“, eine aus Bettdecken selbst gebaute Höhle, in der nur Geschichten erzählt werden dürfen, in denen das Wort Krebs nicht vorkommt.

„Manchmal ist Mama müde“ ist im Schwabe Verlag erschienen und kostet 14,50 Euro. 

 

Fotos: Schwabe Verlag 

31. Juli 2017

 

Sandy Braun
Von Sandy Braun
E-Mail-Adresse: sandy.braun@amoena.com


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