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Leben mit einem sekundären Lymphödem

Bis zu 20 Prozent aller Frauen entwickeln nach einer Brustkrebsbehandlung ein sekundäres Lymphödem. Die Schwellung kann sofort nach der Therapie auftreten, manchmal erscheinen die Symptome aber auch erst Monate oder Jahre später. Was Sie über das sekundäre Lymphödem wissen sollten.

Das lymphatische System ist Teil des natürlichen Abwehrsystems unseres Körpers gegen Infektionen. Die Lymphflüssigkeit transportiert Bakterien und Abfallstoffe aus dem Gewebe und führt sie über ein feines Netzwerk aus Gefäßen zu unseren Lymphknoten. Dort wird die Lymphe dann gereinigt. Ein Lymphödem entsteht, wenn Lymphgefäße oder -knoten geschädigt oder nach der Entfernung nicht mehr vollständig vorhanden sind und die Lymphflüssigkeit nicht mehr richtig abfließen kann – sie staut sich in Gewebe und Gewebezwischenräumen, es kommt zur Schwellung.Was ist ein sekundäres Lymphödem?

Ein sekundäres Lymphödem wird im Laufe des Lebens „erworben“ – im Gegensatz zu den primären (angeborenen) Lymphödemen. Ein sekundäres Lymphödem kann nach einer Brustkrebsbehandlung auftreten, etwa weil durch Mastektomie, Wiederaufbau oder Bestrahlung Gewebe geschädigt oder weil Lymphknoten entfernt wurde. Am häufigsten bilden sich sekundäre Lymphödeme im Achselbereich oder am Arm, manchmal auch an Brust oder Hand. Erste Anzeichen sind ein Schwere- und Spannungsgefühl an den betroffenen Stellen sowie der Beginn einer Schwellung.

Muss ich ein sekundäres Lymphödem behandeln lassen?

Ja. Ein sekundäres Lymphödem ist in der Regel chronisch und braucht eine dauerhafte Therapie. Bleibt es unbehandelt, nimmt die Schwellung in der Regel zu. In der Folge verhärtet sich das Gewebe und schränkt die Beweglichkeit ein.

Wie lässt sich ein sekundäres Lymphödem therapieren?

Behandelt werden sekundäre Lymphödem in der Regel mit der „Komplexen physikalischen Entstauungstherapie“ (KPE). Die KPE ist eine Kombination unterschiedlicher Maßnahmen. Zu ihr gehören manuelle Lymphdrainagen (MLD) – eine spezielle Form der Massage –, das Tragen von Kompressionsbandagen sowie eventuell ein individuelles Bewegungs- und Sportprogramm. Durch den Abtransport der Lymphflüssigkeit werden die Druckschmerzen gelindert.

Die KPE wird in der Regel stationär in einer Reha-Klinik durchgeführt. Nebenwirkungen durch das Therapieprogramm treten kaum auf. Vereinzelt kann es zu Hautirritationen, Arm- oder Kopfschmerzen kommen.

Zurück zu Hause wird die Behandlung meist mit manueller Lymphdrainage und dem Anlegen von Kompressionskleidung beziehungsweise Kompressionsstrümpfen fortgesetzt. Beides hilft, verbliebene Schwellungen zu mindern und verhindert, dass die Lymphe sich erneut staut.

Tipp: Cremen Sie die betroffenen Hautpartien regelmäßig ein, so beugen Sie etwaigen Hautirritationen vor. Normale Feuchtigkeitscremes reichen in der Regel aus.

Manuelle Lymphdrainage (MLD)

Die Manuelle Lymphdrainage ist eine spezielle Massage, die aus sanften und kreisenden Bewegungen besteht und durch einen professionellen Lymph- oder Physiotherapeuten durchgeführt wird. Ziel ist es, die gestaute Flüssigkeit im Gewebe zu lösen und den Lymphfluss anzuregen. Um zu verhindern, dass die Lymphe nach der Behandlung zurückfließt, erhalten die Patientinnen nach der Massage meist einen Kompressionsverband mit Bandagen.
 

Was kann ich selbst gegen die Schwellung tun?

Lassen Sie sich von Ihrem Therapeuten die vereinfachte Lymphdrainage (engl. Simplified Lymphatic Drainage, SLD) beibringen. Das ist eine spezielle Form der MLD, die Sie zu Hause durchführen können. Auch Schwimmen und Krafttraining mit Gewichten können hilfreich sein.

Manche Betroffene haben den Eindruck, dass bestimmte Nahrungsmittel – zum Beispiel sehr salziges Essen oder Alkohol – das Lymphödem verstärken. Wissenschaftlich belegt ist das laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) allerdings nicht.

Tipp: Ein sekundäres Lymphödem kann psychisch belastend sein. Ist dies bei Ihnen der Fall, hilft Ihnen möglicherweise der Austausch mit anderen Betroffenen. Adressen von Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe finden Sie online bei der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS).


Hinweis zu medizinischen Inhalten:

Art, Verlauf und Therapie einer Brustkrebserkrankung sind von Frau zu Frau unterschiedlich. Wir bemühen uns, Sie umfassend, sachlich korrekt und verständlich über medizinische Hintergründe zu informieren. Eine Beratung oder Behandlung durch einen Arzt können diese Informationen jedoch nicht ersetzen. Die Informationen können Sie jedoch bei der Vor- oder Nachbereitung eines Arztbesuches unterstützen.

Iris Hilgemeier
Von Iris Hilgemeier
E-Mail-Adresse: iris.hilgemeier@amoena.com


 


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